Arbeitssicherheit Gefährdungsbeurteilung erstellen

Die Gefährdungsbeurteilung ist seit 1974 das zentrale Element der Arbeitssicherheit. Das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) verfolgt das Ziel, Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz zu gewährleisten. Arbeitgeber ab einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten müssen deshalb eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. In dieser sind die Risiken aufgelistet, die für Beschäftigte am Arbeitsplatz bestehen.

Warum eine Gefährdungsbeurteilung erstellen?

Eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, ist dabei kein Selbstzweck. Der Gesetzgeber möchte erreichen, dass sich Unternehmen und ihre Mitarbeiter mit Fragen der Arbeitssicherheit und des Arbeitsschutzes intensiv auseinandersetzen. Eine Gefährdungsbeurteilung dient dazu, potenzielle Risiken zu identifizieren, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr sowie zur Gefahrenvermeidung zu erarbeiten und diese umzusetzen. Es ist sinnvoll, eine Gefährdungsbeurteilung gemeinsam mit den Mitarbeitern zu erstellen. In diesem Artikel lernen Sie die Grundlagen der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung kennen.

Gefährdungsbeurteilung erstellen: Eine lästige Pflicht?

Die meisten Arbeitgeber werden mit der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung das erste Mal konfrontiert, wenn die Berufsgenossenschaft Kontrollen zur Einhaltung des Arbeitsschutzes ankündigt. Dann besteht Handlungsbedarf. Die Gefährdungsbeurteilung ist zentrales Prüfkriterium bei Betriebsbesichtigungen. Eine Nichteinhaltung der Vorschriften kann empfindliche Bußgelder nach sich ziehen. Unternehmen, die sich trotz Aufforderung durch die Berufsgenossenschaft weigern, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, können im schlimmsten Fall geschlossen werden.

Doch eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, ist mehr als eine lästige Pflicht. Sie bietet zahlreiche Vorteile für Arbeitgeber.

  • Durch den Fachkräftemangel haben Arbeitgeber Probleme, Fachkräfte zu finden. Die Erhaltung der Arbeitskraft von Beschäftigten sowie ein dauerhaft niedriger Krankenstand sind im Interesse von Arbeitsgebern. Unternehmen, die eine Gefährdungsbeurteilung erstellen, daraus Maßnahmen ableiten und diese zur Vorbeugung umsetzen, haben deutlich weniger Krankmeldungen.
  • Steigerung der Motivation und Zufriedenheit: Mit Mitarbeitern gemeinsam eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, sendet ein Signal. Die Mitarbeiter werden mit ihren Belangen vom Arbeitgeber ernst genommen. Die häufig genannte Formel „Unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“ ist keine leere Phrase, sondern wird im Unternehmen gelebt.

Gefährdungsbeurteilung erstellen: So geht es

Der Gesetzgeber fordert von Unternehmen regelmäßig, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Zugleich gibt es keine vorgeschriebene Form. Unternehmen können Workshop-Reihen gemeinsam mit Mitarbeitern durchführen, Risiken für die Arbeitssicherheit ermitteln und daraus Gefährdungsbeurteilungen erstellen. Sie können eine Vorlage zur Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung nutzen oder eine Gefährdungsbeurteilung erstellen lassen. Wichtig ist in jedem Fall eine Dokumentation der Ergebnisse. Bei einer Prüfung durch die Berufsgenossenschaft müssen Unternehmen nicht nur nachweisen, dass sie eine Gefährdungsbeurteilung erstellt haben, sondern auch aufzeigen, welche Maßnahmen zur Überwindung der Risiken getroffen wurden. Hierzu ist die Einrichtung regelmäßiger Arbeitsausschusssitzungen (ASA-Sitzungen) erforderlich. Weiterhin müssen in Form von einmal jährlich stattfindenden Mitarbeiterunterweisungen alle Mitarbeiter über die Ergebnisse nachweislich informiert worden sein.

Gefährdungsbeurteilung erstellen: Die fünf Schritte

Auch wenn der Gesetzgeber keine Form für die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung vorschreibt, gibt es doch Prinzipien, die sich in der Praxis bewährt haben und die bei Betriebsprüfungen durch die Berufsgenossenschaft anerkannt werden. Dazu zählt unter anderem ein strukturiertes Vorgehen bei der Ermittlung und Bewertung von Risiken am Arbeitsplatz. Die fünf Schritte, die in diesem Absatz dargestellt werden, sorgen dafür, dass Risiken systematisch erkannt und bewertet werden. Zudem sorgen sie dafür, dass aus der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung heraus Maßnahmen zur Prävention entwickelt und umgesetzt werden.

  • Schritt 1: Sammlung potenzieller Risiken: In einer Gefährdungsbeurteilung gilt es zunächst, potenzielle Risiken für Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu ermitteln. Diese können sich aus dem Arbeitsplatz selbst ergeben. Ein Maler, der Fassaden eines Gebäudes streicht unterliegt anderen Risiken als ein Softwareprogrammierer. Aus dem Umgang mit bestimmten Gefahrenstoffen oder aus den besonderen Umständen der Tätigkeit, beispielsweise psychische Belastungen, denen Pflegekräfte ausgesetzt sind. Es kann empfehlenswert sein, bei einzelnen Fragen Fachleute für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin hinzuziehen. Wichtig ist eine möglichst vollständige Erfassung aller Risiken für die Gesundheit und das Wohlergehen von Arbeitnehmern.
  • Schritt 2: Bewertung der Gefährdungen: Nach der Sammlung möglicher Risiken ist die Bewertung hinsichtlich der Eintrittswahrscheinlichkeit und der potenziellen Schadenshöhe ein wichtiges Element bei der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung. Ein Risiko wird in der Regel dann als besonders hoch bewertet, wenn eine große Eintrittswahrscheinlichkeit existiert und die Folgen gravierend sind. Wenn ein Bauarbeiter auf einem einsturzgefährdeten Gerüst arbeitet, ist die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes aus großer Höhe sehr hoch. Auch die Folgen sind gravierend: von einfachen Verletzungen über dauerhafte Arbeitsunfähigkeit bis hin zum Verlust von Leib und Leben. Beurteilen Sie – möglicherweise auch gemeinsam mit Mitarbeitern jedes einzelne Risiko. Identifizieren Sie die Risiken, die eine große Eintrittswahrscheinlichkeit haben und deren Auswirkungen gravierend wären. Diese Risiken sind die, die Sie in einem ersten Schritt angehen sollten.
  • Schritt 3: Erarbeitung von Maßnahmen: Eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, ist nur dann effizient, wenn relevante Risiken durch Maßnahmen der Prävention sowohl in ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit als auch in ihren Auswirkungen deutlich verringert werden. Erarbeiten Sie eine Liste potenzieller Maßnahmen, die geeignet sind, die Risiken für die Sicherheit am Arbeitsplatz zu vermindern.
  • Schritt 4: Setzen Sie diese Maßnahmen um: Erstellen Sie einen klaren Zeitplan mit Verantwortlichkeiten und definieren Sie, bis wann welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Wirksame Maßnahmen sind die Einführung von dokumentierten Mitarbeiterunterweisungen. Beschäftigte werden auf potenzielle Risiken – beispielsweise beim Umgang mit Gefahrstoffen – hingewiesen sowie über Maßnahmen zur Vorbeugung von Arbeitsunfällen aufgeklärt.
  • Schritt 5: Kontrolle der Wirksamkeit: Überprüfen Sie nach der Einführung der Maßnahmen, inwieweit diese für mehr Arbeitsplatzsicherheit gesorgt haben. Die Wirksamkeit der Maßnahmen kann beispielsweise durch Mitarbeiterbefragungen erfolgen. Wichtig ist auch hier eine Dokumentation der Ergebnisse, die Sie bei der Prüfung durch eine Berufsgenossenschaft vorlegen können.

Eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, ist wichtig

Es sind nicht nur die gesetzlichen Vorgaben, die die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung wichtig machen. Auch motivierende Aspekte sowie die Sorge von Mitarbeitern um ihre Sicherheit am Arbeitsplatz spielen eine große Rolle. Die Deutsche Mittelstandsschutz GmbH unterstützt Unternehmen dabei, unkompliziert und preiswert Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen.

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